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Jüdische Vergangenheit in Kleinsteinach


Historischer Rückblick über das Leben der jüdischen Bürger in Kleinsteinach, über die einstige Synagoge und über den noch bestehenden Judenfriedhof


[...zur Bilderschau ]

Fassung: Bernd Brünner, Kleinsteinach (3. Bgm. der Gemeinde Riedbach)


In der heutigen, schnelllebigen Zeit reißt die lebendige, bewusste Verbindung zur Vergangenheit relativ schnell ab und gerät leider immer öfter in völlige Vergessenheit.

Deshalb soll diese ausführliche Dokumentation vor dem Vergessen bewahren.
Inmitten der hügeligen Hassgaulandschaft, eingebettet in das schöne Tal des Riedbaches und am Zufluss des Hainbachs, findet sich im Westen des Landkreises Hassberge, das geschichtsträchtige Kleinsteinach. Hier existierte bis 1942 eine jüdische Gemeinde, sie unterstand dem Bezirksrabbinat Burgpreppach. In ihrem Besitz waren eine Synagoge, ein Ritualbad (Mikwe), eine Schule mit Lehrerwohnhaus und ein Friedhof. Nach den Verwüstungen unter den nationalsozialistischen Machthabern im "Dritten Reich" existieren nur noch die Schule, die jedoch heute von den evangelischen Mitbürgern als Gebets- und Gemeindehaus genutzt wird, und der große Judenfriedhof abseits am Flurweg in Richtung Kreuzthal.

Informationen zum obenstehenden Bild:
Die Synagoge in Kleinsteinach wurde 1736 erbaut und in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts durch Blitzschlag zerstört. Im Vorbau befand sich rechts der Eingang für die Männer, links der für die Frauen. Auf der rechten Seite ist das Holzhäuschen für den Leichenwagen zu erkennen, der auch von der christlichen Bevölkerung mitbenutzt wurde.



Die Juden in Kleinsteinach

Geschichtliche Daten

Erste Urkunden über die Existenz von Juden in Unterfranken datieren aus dem Jahre 1110, als ein Rabbiner namens Joel ben Rabbi Isak Halevi, sein Amt in Würzburg aufnahm. Verfolgungen jüdischer Gemeinden 1392 im Landkreis Hassberge lassen auf das Bestehen erster Kultusgemeinden in den Orten rund um Hassfurt schließen. Die Errichtung des Judenfriedhofes in Kleinsteinach angeblich im Jahr 1453 mag ein Indiz für eine bestehende jüdische Gemeinde sein, was jedoch mangels weiterer Belege nicht zweifelsfrei nachweisbar ist.

Erst sehr viel später und zwar im Jahr 1596 gibt es Aufzeichnungen, wonach in dieser Zeit das erste Begräbnis eines Juden auf dem Friedhof vermeldet und dieser zur zentralen Begräbnisstätte der Israeliten des Hassfurter Bezirkes ernannt wurde.

Ab dem 16. Jahrhundert wurden mit Hilfe von Ausweisungserlassen Juden, vor allem aus Reichsstädten und Fürstentümern, vertrieben. So entstanden, wie auch in den umliegenden Orten Hassfurts durch die Vertreibung von 1562, sogenannte Dorfjudenschaften. Durch das Zahlen von Schutzgeldern an Bischöfe, Klöster oder an den Adel erlaubte man den Juden den Aufenthalt in den einzelnen Dörfern. Schutzgelder waren zumeist Geldzahlungen, aber auch Nahrungsmittel, wie z. B. Zucker, mussten abgetreten werden.

Folglich wurde auch in Kleinsteinach nach einer "Zusammenstellung der jüdischen Einwohnerschaft an die königliche Regierung von Bayern" berichtet, dass erstmals am 02.05.1699 das Bestehen einer Kultusgemeinde zweifelsfrei nachgewiesen ist. Zu dieser Zeit lebten 43 Juden im Dorf. Auf Initiative des Rabbiners Jechiel Heitzfelds errichtete man für die immer größer werdende jüdische Gemeinde im Jahr 1736 eine Synagoge, was durch einen Eintrag im "Kleinsteinacher Memorbuch" belegt ist. Die entsprechenden Gelder wurden von Abraham und Jakob Hassfurt als Spende erbracht.

1772 legte man für den Judenfriedhof ein Grabverzeichnis an und zwei Jahre später wurde die erste Bestattung eingetragen.

Um die Jahrhundertwende führte man erneut Zählungen zur Feststellung des Judenanteiles in den Orten durch. Mittlerweile bewohnten 159 Juden das Dorf, das entsprach einem Einwohneranteil von 41%.

Das Judenedikt, das 1813 für die Israeliten Bayerns erlassen wurde und 1816 mit der bayerischen Gesetzgebung in Unterfranken in Kraft trat, enthielt eine Vielzahl neuer Rechte, aber auch Pflichten für die Juden. So wurde ihnen der Erhalt ihrer Gewissensfreiheit bestätigt. Zudem durften sie ab sofort Grundbesitz erwerben und sich in verschieden Handelszweigen betätigen. Eine Voraussetzung für die Juden war es jedoch beispielsweise Familiennamen anzunehmen. Ein weiterer Teil des Judenedikts war die Judenmatrikel, in der die numerische Aufführung der Schutzjuden eines Dorfes festgelegt war.

Jeder Jude, der zu dieser Zeit das Dorf bewohnte, erhielt eine Matrikelnummer, welche lediglich auf den ältesten Sohn der Familie übertragen werden konnte. Als Folge wurde eine Konzentration der Israeliten in der Stadt verhindert und der Erhalt der jüdischen Bevölkerung auf dem Land gesichert. Auswanderungen ins Ausland, z. B. in die USA, konnten allerdings nicht vermieden werden.

Ein Jahr darauf, am 31.08.1814, lebten, trotz dieser neuen Erlasse, bereits 162 Juden in 41 Familien in Kleinsteinach.

Die im Jahre 1819 in Würzburg ausgelösten Hep-Hep-Pogrome weiteten sich in auf ganz Deutschland aus, solche Unruhen waren in Kleinsteinach jedoch nicht feststellbar. In der darauffolgenden Zeit, vor allem ab 1850, bekamen die Israeliten Bayerns weitere Rechte. So durften seit dem 04.08.1853 namentlich genannte Viehhändler jedes Ortes Viehhandel, und Händler, denen es durch Patente erlaubt war, das Hausieren betreiben. Zudem gewährte man den Juden durch die Aufhebung des Matrikelzwanges 1861 das Abwandern in die Städte. Sie konnten sich ab sofort frei bewegen und ihren Wohnsitz frei wählen.

Diese neuen Rechte sind voraussichtlich auch der Grund, warum 1867, bei der letzten Zählung vor der Reichsgründung 1871, nur noch 128 Juden Kleinsteinach bewohnten.


Entwicklung im Kaiserreich und der Weimarer Republik

Lebten 1871 noch 128 jüdische Einwohner in Kleinsteinach, so zeigte sich auch dort die Abwanderungswelle in die Städte, da nur ein knappes Jahrzehnt später (1880) nur noch 110 jüdische Bürger das Dorf bewohnten. Der Rückgang der israelitischen Einwohnerzahl dauerte insgesamt bis zum Beginn des 3. Reiches an.

Erste Anzeichen für einen steigenden Antisemitismus im Landkreis gab es schon 1894, als Grabsteine auf dem Zentralfriedhof Kleinsteinach umgestürzt und geschändet wurden. Möglicher Auslöser war die Erscheinung der dritten Auflage einer "antisemitischen Schmähschrift" die alle Anschuldigungen des vorangegangenen Jahrhunderts enthielt.

Um 1900 machte sich im Bezug auf die jüdische Einwohnerzahl noch mal ein Aufwärtstrend bemerkbar. Es waren zu dieser Zeit 129 Juden in Kleinsteinach ansässig. Diese Zahlen decken sich jedoch nicht mit der allgemeinen Entwicklung in Bayern, wo eine stetige Landflucht in die Städte anhielt.

Ende des 19. Jahrhunderts errichteten die jüdischen Bürger als Dank für die Aufhebung der zwangsweisen Ansiedlung am Dorfrand das sogenannte "Marterle". Wenige Jahre später (1903) sanierte man zudem die 1736 errichtete Synagoge.

Als dann 1914 der 1.Weltkrieg ausbrach, erklärte Wilhelm II., er kenne nur noch Deutsche. Obwohl Juden auch schon im Jahre 1813, 1866 und 1870/71 Kriegsteilnehmer waren, so kämpften auch diesmal Juden aus dem Landkreis Hassberge an der Front. Sechs jüdische Soldaten aus Kleinsteinach waren an diesem Krieg beteiligt. Dies waren: Gutmann Adolf, geb. 30.07.1878; Neumann Max, geb. 04.12.1894; Neumann Moritz, geb. 21.02.1889; Neumann Moritz, geb. 31.01.1892; Sacki Gustav, geb. 27.01.1888 und Sacki Moses, geb. 15.01.1893. Leider musste Max Neumann am 23.02.1916 sein Leben lassen. Nach dem verlorenen Weltkrieg steigerte sich die antisemitische Stimmung, da die Niederlage dem internationalen Judentum angelastet wurde.

Solche Entwicklungen machten sich in den Folgejahren auch im Raum Hofheim/ Hassfurt bemerkbar, wo bereits am 05.05.1923 Propagandavorträge das Umschwenken weiterer Bevölkerungsgruppen hin zum Hass gegen die Juden bewirkten. Davon war jedoch in Kleinsteinach nichts spürbar. Es kann auch dadurch belegt werden, da beispielsweise in einer Aufstellung des 1. FC Kleinsteinach von 1923 der Jude Herman Mahler noch immer zur Mannschaft gehörte. Solche Dokumente zeigen wohl, dass die Israeliten Kleinsteinachs stets in der Dorfgemeinschaft integriert waren. 1925 wurde für die jüdischen Gefallenen des Raumes Hassfurts auf der zentralen Begräbnisstätte ein Kriegerdenkmal errichtet.

In den folgenden Jahren passierte nichts Außergewöhnliches im Dorf. Das Zusammenleben von Christen und Juden wurde von allen befragten Zeitzeugen, als freundschaftlich bezeichnet. Am 18.08.1930 wurde die letzte jüdische Eheschließung vollzogen und am 22.08. des darauffolgenden Jahres das letzte Kind eines Israeliten in Kleinsteinach geboren.

Dieses wurde 1942 zusammen mit seinen Eltern und seiner Schwester in Belzec/ Polen ermordet. Näheres wird über das Kind jedoch nicht berichtet. Alles in allem wurde in Kleinsteinach in diesem Zeitraum nichts von rassistischen Bewegungen erkennbar. Die Juden lebten mit den anderen Bürgern in einem normalen, meist auch freundschaftlichen Verhältnis. Die jüdischen Bürger des Ortes waren überwiegend Handels- und Kaufleute. Sie hatten folgende Geschäfte:

  • Textilgeschäfte mit Schuhwaren
  • 2 Viehhändler

  • 2 Rindsmetzgereien
  • l Pferdehändler
  • l Herrenschneiderei
  • l Matzenbäckerei
  • l Fellhändler
  • l Schuhgeschäft
  • l Kolonialwarengeschäft
  • l Immobilienhändler.

    Nicht zu Unrecht wurde aufgrund dieser großen Anzahl von Geschäften Kleinsteinach zu dieser Zeit auch als "Klein-Paris" bezeichnet.


    Ende des Judentums in Kleinsteinach während der NS-Zeit

    Geschichtliche Daten

    Als Adolf Hitler am 30.01.1933 zum Reichskanzler ernannt wurde, lebten nur noch 34 Juden in Kleinsteinach. Es wird erzählt, dass die Juden, die eine Vorahnung von dem hatten, was noch geschehen sollte, und genügend Kapital besaßen, schon vor 1933 nach Übersee, meist nach Argentinien und Amerika, aber auch nach England, flohen.

    Am 01.04. des gleichen Jahres fand wie in ganz Deutschland, so auch im Landkreis Hassberge der sogenannte "Judenboykott" statt, bei dem, unter Bewachung von SA-Patrouillen, kein Deutscher bei einem Juden einkaufen durfte. Zudem wurden jüdische Geschäfte beschädigt und die Inhaber verhaftet. Kleinsteinach blieb von diesem Boykott jedoch weitestgehend verschont.

    Die Erziehung zum Antisemitismus zeigte sich schon sehr früh im Dritten Reich. So zerstörte unter anderem eine Schulklasse aus Römershofen unter Leitung ihres Lehrers im Frühjahr 1934 mehrere Grabsteine auf der israelitischen Begräbnisstätte Kleinsteinachs. Dieser Zeitraum (1933 - 35) wurde meist durch "einzelne Maßnahmen auf der Grundlage der durch Notverordnungen und Ermächtigungsgesetz gewonnenen Scheinlegalität" geprägt.

    Der darauffolgende Zeitabschnitt wurde erheblich von den Nürnberger Gesetzen, die am 15.09.1935 in Kraft traten, beeinflusst. Durch diesen Erlass wurde erstmals eine Trennung von Juden und Deutschen vorgenommen, die jedoch völlig willkürlich war. So sagte beispielsweise auch Hermann Göring : "Wer Jude ist, bestimme ich!" Im Einzelnen wurde im Reichsbürgergesetz die Unterteilung von Menschen mit deutschem und artverwandtem Blut und Juden vorgenommen. Die Gesetze wurden zum "Schutz des deutschen Blutes und der deutschen Ehre" erlassen. Bis zum Kriegsbeginn wurden so mehr als 250 antijüdische Maßnahmen verkündet.

    Die weiteren Jahre mussten die Juden nicht ständig um ihr Leben fürchten, was sich jedoch mit der Reichspogromnacht am 09./10. November 1938 schlagartig änderte und in eine massive Bedrohung der Israeliten umschlug. Von oberster Stelle wurde in dieser Nacht die Zerstörung jüdischer Gebetshäuser angeordnet. Soviel sei jedoch auch gesagt, dass es bei der Zerstörung keine Kleinsteinacher Beteiligten gab. Die Einwohner verschanzten sich zumeist in ihren Häusern.

    Ein Beleg dafür, dass es weiterhin ein gutes christlich - jüdisches Verhältnis im Dorf gab, zeigt die Begebenheit, dass die Schreinerei Brünner, trotz Androhungen von NS- Funktionären, die zerstörten Fenster von israelitischen Häusern reparierte und sich damit den Zorn einiger Nazis zuzog. Später wurden ihr selbst die Fensterscheiben eingeschlagen.

    Abgeschreckt von den immer drastischer werdenden Ereignissen flohen weitere jüdiasche Bürger ins Ausland, so dass 1939 nur noch 13 Juden das Dorf bewohnten.


    Am 04. Juli 1939 wurde die "Reichsvereinigung der Juden in Deutschland" gebildet. Somit war der Sonderstatus des jüdischen Volksteiles vollkommen.

    Am Vorabend des zweiten Weltkrieges erklärte zudem Adolf Hitler, dass "der kommende Krieg nicht die Vernichtung Deutschlands, wohl aber die Vernichtung des Judentums in Europa" bringen würde.

    Am 21.04.1940 wurde der letzte jüdische Todesfall im Dorf verzeichnet. Im Oktober '41 wurde den Juden die Auswanderung aus Deutschland verboten. Des Weiteren untersagte man von oberster Stelle per Verordnung alle freundschaftlichen Beziehungen von Ariern zu Juden. Laut den Zeitzeugenaussagen wurde das christlich - jüdische Verhältnis in Kleinsteinach davon allerdings nicht beeinflusst.

    Im selben Jahr wie das Auswanderungsverbot, wurde es auch zur Pflicht für die jüdischen Bürger, den "Judenstern" zur Erkennung jedes Einzelnen zu tragen.

    Als letzter Jude mit Grabstein wurde im Januar 1942 Daniel Mahler begraben. Die letzte Bestattung jedoch fand am 29.03.1942 für die 86-jährig verstorbene Rosa Lonnerstätter statt. Nur wenige Tage später erhielten die letzten vier verbliebenden Israeliten Kleinsteinachs ihre Aufforderung zur Deportation. Sie sollten sich am 22. April zwischen 14.00 und 16.00 Uhr an der Sammelstelle "Platzscher Garten" in Würzburg einfinden.

    Sie wurden anschließend nach Izbica/ Lublin deportiert. Keiner von ihnen überlebte! Als letztes Anzeichen jüdischer Vergangenheit innerhalb des Ortes wurde 1945 die Synagoge von der Gemeinde Kleinsteinach, die sie 1939 von der Kultusgemeinde Kleinsteinach "erworben" hatte, an die evangelische Kirche verkauft und ein paar Jahre später aufgrund eines Blitzschlages daraufhin abgerissen. Mit dem Ende des Dritten Reiches erlosch in Kleinsteinach das letzte jüdische Leben.

    Das Bild zeigt das letzte von Juden bewohnte Haus in Kleinsteinach. Hier lebte die Familie Neumann.


    In dem Zusammenhang ergänzend noch zwei kleine Statistiken.

    Im Jahre 1933 lebten noch folgende 34 Juden in Kleinsteinach:

  • Familie Justin Neumann, Haus-Nr. 12, mit zwei Personen
  • Familie Walter Meier, Haus-Nr. 13, mit drei Personen
  • Familie Gutmann,Haus-Nr. 15, mit zwei Personen
  • Familie Sali Lichtenstätter, Haus-Nr. 18, mit drei Personen
  • Frau Hofmann, Haus-Nr. 19, eine Person
  • Familie Artur Neumann, Haus-Nr. 22, mit zwei Personen
  • Herr Sacki, Haus-Nr. 22, eine Person
  • Familie Emanuel Grünbaum, Haus-Nr. 25, mit drei Personen
  • Familie Wolfermann, Haus-Nr. 30/31, mit drei Personen
  • Familie Bernhard Mahler, Haus-Nr. 30, mit vier Personen
  • Familie Moritz Neumann, Haus-Nr. 45, mit fünf Personen
  • Familie Seligmann Grünbaum, Haus-Nr. 45, mit zwei Personen
  • Familie Abraham Schloß, Haus-Nr. 41, mit zwei Personen
  • Frau Klara Sichel, Haus-Nr. 47, eine Person

    Die Opfer des Nationalsozialismus:


  • Grünbaum Emanuel, geb. 01.10.1874
  • Grünbaum Lina, geb. 07.09.1874
  • Grünbaum Sophie, geb. 22.12.1871
  • Grünbaum Isidor, geb. 13.10.1904
  • Neumann Moritz, geb. 23.01.1892
  • Neumann Meta, geb. 16.06.1896
  • Neumann Irmgard, geb. 18.03.1924
  • Neumann Erich, geb. 22.08.1931
  • Schloss Klara, geb. 08.09.1872
  • Sichel Klara, geb.17.12.1886
  • Wolfermann Jakob, geb. 01.05.1874

    Die Synagoge

    Von der Synagoge in Kleinsteinach stehen nur noch ein paar Teile der Grundmauern. Allerdings gibt es neben Fotos der Synagoge auch neuerdings ein Foto vom Innenraum.

    Dieses wertvolle Fotomaterial brachte Cordula Kappner, Leiterin des Haßfurter Bibliotheks- und Informationszentrums, von einem Aufenthalt in Israel mit. Das Bild vom Innenraum der Synagoge stammt ungefähr aus dem Jahr 1936 und stellt deshalb eine Besonderheit dar. Denn bisher existierte im Landkreis Haßberge kein Bild von den Innenräumen der Synagoge, die bei der sogenannten "Kristallnacht" im Jahr 1938 von SA-Männern völlig verwüstet wurden.


    In Kleinsteinach existierte bis 1942 eine aktive jüdische Gemeinde. In dieser Synagoge aus dem Jahr 1736 kamen die Kleinsteinacher Bürger jüdischen Glaubens zum gemeinsamen Gebet zusammen.

    Synagogen sind Kultstätten für Andachtsübungen und wurden überall dort errichtet, wo sich Juden ansiedelten. Damit ein Gottesdienst stattfinden kann, müssen mindestens zehn gesetzespflichtige jüdische Männer zusammenkommen. Jeder männlicher Jude ist nach Vollendung des 13. Lebensjahres ein gesetzespflichtiger jüdischer Mann, somit ein "Sohn des Gesetzes". Die Synagogen dienen neben dem Gebet aber auch als Versammlungshaus und als Schule für die Jugend. Die Erwachsenen erfahren hier religiöse Unterweisungen und fanden Gelegenheit zum Thorastudium. Arme und Fremde erhalten Unterstützung und Bewirtung.

    In jeder Synagoge gibt es zwei wichtige charakteristische Stellen: das Podium und ein Behältnis für die Thorarollen. Von dem Podium in der Mitte der Synagoge werden die Abschnitte aus der Thora und aus den Propheten gelesen. Die eigentlichen Gebete werden oft an einem Pult an einem niederen Standort in der Nähe der Heiligen Lade verrichtet. Die Betenden stehen gewöhnlich mit dem Gesicht in Richtung Jerusalem. In den meisten Synagogen brennt eine Lampe, ein sogenanntes "ewiges Licht".

    In orthodoxen Synagogen sind Männer und Frauen räumlich voneinander getrennt. Nahezu alle Synagogen zeichnen sich durch größtmögliche Einfachheit aus, insbesondere durch das Fehlen jeglichen Bildschmuckes, seien es Gemälde oder auch Statuen.

    Wie bereits erwähnt, wurde am 10. November 1938 - bei der sogenannten "Reichskristallnacht" - das Innere der Kleinsteinacher Synagoge total verwüstet. SA-Männer aus dem Landkreis kamen nach Kleinsteinach und drangen zunächst in die jüdischen Häuser ein. Sie zerschlugen die Fenster und zerstörten die Einrichtungen. Danach wurde auch die Synagoge verwüstet. Die SA-Männer schlugen auch hier die Fenster ein, zertrümmerten das Mobiliar, trugen die Thorarollen und andere Ritualien auf einen Haufen vor der Synagoge zusammen und zündeten sie an.

    Die Synagoge selbst wurde dagegen nicht angesteckt, da sie zu dicht neben den Wohnhäusern der christlichen Bevölkerung stand und das Feuer eine Gefahr für deren Häuser bedeutet hätte. Auch die 1925 in der Synagoge angebrachte Gedenktafel für 17 jüdische Gefallene des Ersten Weltkriegs aus Kleinsteinach (l Gefallener) und den Nachbargemeinden wurde zerschlagen.

    Die jüdischen Männer, die man vor der "Aktion" gewarnt hatte, waren geflohen. Die zurückgebliebenen Frauen und ein Kind wurden festgenommen und unter SA-Bewachung auf die Polizeistation gebracht. Gleichzeitig begann die Jagd nach den verschwundenen Männern. Da einige Bauern des Dorfes verdächtigt wurden, Juden auf ihren Speichern versteckt zu haben, versuchte man, die Speicher anzuzünden und griff einzelne Bauern auch tätlich an.

    Geahndet wurde dieses Verbrechen so gut wie kaum. 1948 fand vor dem Landgericht Bamberg ein Prozess gegen 28 der an dem Novemberpogrom von 1938 Beteiligten statt. Nur neun erhielten Gefängnisstrafen von drei Monaten bis zu zwei Jahren, die übrigen wurden freigesprochen. Nochmals zurück zur Synagoge. Das jüdische Gebetshaus war nach der Herrschaft der Nationalsozialisten und dem Zweiten Weltkrieg zwar arg beschädigt, hatte aber das sogenannte "Dritte Reich" dennoch überstanden.

    Da kam ein neues Unglück auf das Kultgebäude zu: Es wurde in den 50er Jahren durch einen Blitzschlag zerstört. Danach wurde die Ruine abgerissen. Heute sind nur noch Teile der Grundmauern - ziemlich große Steinquader - auf dem leeren Grundstück neben dem Haus Nr. 89 vorhanden. Eine Gedenktafel neben dem "Synagogengrundstück" weist mit folgendem Wortlaut auf die Synagoge hin: "In Kleinsteinach bestand eine Jüdische Kultusgemeinde deren Synagoge am 10. November 1938 durch die damaligen Machthaber verwüstet wurde. Zur Erinnerung und Mahnung".


    Der Judenfriedhof

    Bräuche und Rituale auf einem jüdischen Friedhof

    Die Bräuche um und auf einer israelitischen Begräbnisstätte unterscheiden sich vollkommen von denen unserer Friedhöfe. Im Allgemeinen liegen die jüdischen Friedhöfe außerhalb des Ortes, mindestens 50 Ellen von der Bebauungsgrenze entfernt, in schlechtester Lage, mit schlechtestem Boden. Er wird nach Auffassung der Juden als Ort der Ruhe bezeichnet, auf dem die Toten "dem jüngsten Tag (...) entgegenschlafen" Diese Meinung wird auch in den Namen deutlich, welche die Juden ihren Begräbnisstätten geben:

  • "Beth Hachaim" (= Haus des Lebens)
  • "Beth Olam" (= Ewiges Haus)
  • Haus der Gräber
  • Gutes Haus

    Es gibt keine Gemeinschaftsgräber auf einem jüdischen Friedhof, jeder Tote erhält sein eigenes Grab, mit eigenem Grabstein. Der Grabstein an sich besitzt auch eine sehr wichtige Funktion. Er ist stets nach Osten, in Richtung Jerusalem und der aufgehenden Sonne ausgerichtet.

    Des Weiteren heißt es in der jüdischen Kultur: Wer keinen Grabstein hat, findet keine ewige Ruhe und keinen ewigen Frieden. So bekam beispielsweise Daniel Mahler, der am 18. Januar 1942 verstorben war, von seinen Söhnen aus den USA noch nach dem 2.Weltkrieg einen Grabstein, um der jüdischen Kultur gerecht zu werden.

    Die Beschriftung der Steine weisen ebenso eine Besonderheit auf. Früher wurden sie lediglich mit hebräischen Worten beschriftet. Später jedoch, als Folge der verstärkten Anpassung an die christliche Umwelt, auch auf hebräisch und deutsch. Als Kompromisse wurden Grabsteine beispielsweise vorne mit einem hebräischen Text beschriftet und dieser auf der Rückseite auf deutsch wiedergegeben. Ein weiteres Beispiel ist der Grabstein von Lina Lichtenstetter, der in der Mitte hebräisch und links und rechts deutsch beschriftet ist.

    Eine weitere Besonderheit ist die Verzierung der Steine durch Symbole, die die Herkunft der Toten zeigen soll (Stammeszugehörigkeit). Hände sind das Zeichen für die Kohanim (Priester), Schüsseln oder Kannen stehen für die Zugehörigkeit zu den Leviten (Tempeldiener). Der später mehr und mehr verbreitete Davidstern war lediglich eine Reaktion der Juden auf den im 19. Jahrhundert stärker werdenden Antisemitismus.

    Zum Begräbnis selbst gibt es zu sagen, dass der Leichnam zuerst unter Gebrauch von viel Wasser rituell gereinigt wird, um anschließend in ein weißes Gewand gehüllt und mit weißen Schuhen sowie einer weißen Kopfbedeckung bekleidet zu werden. In den einfachen Sarg wurde der Tallit (Gebetsmantel) gelegt und darauf der Tote. Zudem bekamen die Toten Scherben auf die Augen gelegt, damit sie das Licht des jüngsten Tages ertragen konnten.

    Danach bahrte man die Leiche nochmals 48 Stunden auf, analog der Gesetzgebung in Deutschland, aus Angst davor jemanden lebendig zu begraben. Dies ist wohl auch der Grund dafür, dass zeitweise Sterbe- und Begräbnisdatum differieren. Das Totengebet wird am Grab von mindestens zehn Männern gesprochen. Der Vorsteher der jüdischen Gemeinde konnte dann den Segen am Grab vornehmen. Dem Ritual zur Folge müssen die Männer jeweils mindestens eine Schaufel Erde ins Grab werfen, um zu demonstrieren, dass sie sich am zuschaufeln des Grabes beteiligen.

    Der Rest wird dann vom Totengräber erledigt. In Kleinsteinach gab es einen christlichen Totengräber, der jeweils von der jüdischen Gemeinde beauftragt war, das Grab auszuheben. Unmittelbar danach ging er nach Hause. Kleinsteinacher Zeitzeugen erinnern sich auch an den alten Jakob Wolfermann, der immer mit einem "Bündele", in dem sich die Kleider des Verstorbenen befanden, nach Hause ging, wenn er den Toten gewaschen hatte.

    Der Gebrauch von aufwendigen Särgen, wie im Christentum, ist im Judentum nicht verbreitet. Die Särge ähnelten mehr einer Kiste, die aus einfachstem Holz gemacht wurden. Nach der jüdischen Tradition mussten die Angehörigen der Toten selbst die Särge herstellen. Es wird jedoch berichtet, dass die Juden, zumindest die, die in Kleinsteinach lebten, keine Handwerker, sondern mehr Handels- und Kaufleute waren.

    So half zu dieser Zeit die Schreinerei Brünner, den jüdische Mitbürgern beim Bau der "Holzkisten". Sie schlug die Nägel so weit in den Sarg hinein, dass die Juden nur noch einen Schlag benötigten um den Nagel zu versenken. Somit blieb die Tradition gewahrt und sie hatten letztlich quasi den Sarg selbst hergestellt.

    Auch das Gerücht, die Israeliten würden hockend oder stehend begraben, ist nicht zutreffend. Jeder Jude wird, genauso wie in der christlichen Tradition, liegend beigesetzt (siehe auch nachfolgende Gerüchte-Aufzählung).

    Die jüdischen Friedhöfe an sich werden keiner intensiven Pflege unterzogen, so werden die Gräber auch nicht mit Blumen geschmückt. Die Juden legen lediglich, wie man auch im Abspann des Filmes "Schindlers Liste" erkennen kann, Steine als Zeichen der Verehrung für die Toten auf den Grabstein.

    Die israelitischen Begräbnisstätten dürfen am Sabbat nicht betreten werden. An jedem anderen Tag dürfen Frauen und Männer gleichermaßen die Gräber besuchen, Männer jedoch nur mit einer Kopfbedeckung. Nach Verlassen des Friedhofes muss man sich die Hände waschen, so dass die rituelle Reinheit wieder hergestellt ist.

    Allgemein stellen die noch bestehenden jüdischen Friedhöfe in Deutschland ein letztes sichtbares Zeichen einer Jahrhunderte langen Kultur dar.

    Im Zusammenhang mit jüdischen Beerdigungsbräuchen noch ein paar antisemitische Gerüchte:


    1.) Sog. "Knicken" d.h. die Ermordung des Sterbenden an einem Freitagabend durch Knicken der Halswirbelsäule, um einen Tod am Sabbat zu vermeiden. Eine völlig haltlose Behauptung. Angeblich gab es drei "Knicker" in der Umgebung von Westheim. Sie kamen, wenn jemand im Sterben lag und nahmen das "Knicken" vor. In einem Ort wird erzählt, dass das Knicken mit einem Joch, dem "Jöchle", vorgenommen wurde. Die Juden hatten furchtbare Angst vor diesen "Knickern" und baten Christen um Schutz, wenn ein Sterbender am Freitagabend im Hause lag. Die Quelle für das Gerücht ist eine Veröffentlichung in Königsberg (Preußen) aus dem Jahre 1711 von Johann Andreas Eisenmenger "Entdecktes Judentum".

    2.) Steinewerfen bei der Beerdigung = Verwechslung mit dem Ausreißen von Erdbüscheln als Zeichen der Vergänglichkeit.

    3.) Die Toten werden liegend begraben, nicht hockend und nicht stehend, auch wenn letzteres bei einer jüdischen Beerdigung 1985 ein Augenzeuge gesehen haben will. Da in diesem Fall Herr David Schuster, Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde, Würzburg, anwesend war, konnte dieses Gerücht entkräftet werden.

    4.) Angeblich gibt es zwei jüdische Stämme, die ihre Toten nur auf den Friedhöfen von Kleinsteinach bzw. Gerolzhofen begraben durften. Vermutlich liegt der Entstehung dieses Gerüchtes das Zusammentreffen vom Tod eines Leviten und eines Cohen zugrunde, die rein zufällig in Gerolzhofen bzw. Kleinsteinach begraben wurden.


    Die israelitische Begräbnisstätte in Kleinsteinach

    Der Judenfriedhof in Kleinsteinach ist mit 12.224 m2 der größte und älteste seiner Art im Landkreis Hassberge und der zweitgrößte in Unterfranken. Er besteht aus einem alten und einem neuen Teil. Dieser umfasst ca. 710 Grabsteine, insgesamt beläuft sich die Zahl jedoch auf 1004. Höchstwahrscheinlich gibt es auf der Begräbnisstätte noch weitere Gräber, deren Steine aber den zahlreichen Schändungen Ende des 19. und des 20. Jahrhunderts zum Opfer fielen. Beispiele dafür sind die fehlenden Grabsteine von:

  • Lina Goldmann aus Hassfurt, gestorben Februar '42
  • Max Goldmann aus Zeil, gestorben Februar '41
  • Seligmann Grünbaum aus Kleinsteinach, gestorben April '40
  • Rosa Lonnerstätter aus Hassfurt, gestorben März '42
  • Josef Oppenheimer aus Hofheim, gestorben Dezember '33
  • Klara Rosenbach aus Hassfurt, gestorben November '38

    Auch die Tatsache, dass einige Tote ohne Grabstein beerdigt wurden, trägt dazu bei, dass man die genaue Zahl von Begräbnissen nur schwer rekonstruieren kann.


    Zur Geschichte des Friedhofes:

    Laut der Überlieferung wurde er angeblich im Jahre 1453 angelegt. Da erst mehr als 100 Jahre später, also 1596 das erste Begräbnis vermeldet wurde, ist davon auszugehen, dass die Zeitangabe "1453" doch nicht ganz stimmen kann. Der erste Tote war ein berühmter Thoragelehrter. Gleichzeitig wurde der Friedhof zur zentralen Begräbnisstätte von Hassfurt für die Orte Aidhausen, Hassfurt, Hofheim, Kleinsteinach, Lendershausen, Westheim, Wonfurt, Zeil und sogar Schonungen ernannt. 1772 legte man für ihn ein Grabverzeichnis an, in das schon zwei Jahre später der erste Tote eingetragen wurde. Dieses Verzeichnis verschwand jedoch in der Zeit des 3. Reiches.

    Erste Schändungen des Judenfriedhofes datieren aus dem Jahre 1894, als erstmals Grabsteine umgestürzt wurden.

    Die Begräbnisstätte wurde anschließend von der Gemeinde Hassfurt weitergeführt. Fünf Jahre später errichtete man für die jüdischen Gefallenen im 1. Weltkrieg auf dem Zentralfriedhof ein Denkmal.

    Während der NS-Zeit fiel der Judenfriedhof erneut einigen antisemitischen Vergehen zum Opfer. So schändete eine Schulklasse aus Römershofen unter der Leitung ihres Lehrers mehrere Grabsteine, wie auch während der "Reichskristallnacht" als einzelne Personen Gräber von Juden zerstörten. Der letzte, dessen Begräbnis man anhand eines Grabsteines nachweisen kann, ist Daniel Mahler, der im Januar '42 verstarb. Die letzte hier begrabene Tote jedoch war wahrscheinlich, wie schon erwähnt, die in Hassfurt 86-jährig verstorbene Rosa Lonnerstätter (Todestag: 29.03.1942).

    Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges war die Zeit der antisemitischen Vergehen allerdings noch immer nicht vorbei. So zerstörten ehemalige Nazis und SS-Leute abermals Grabsteine des Friedhofes. Es folgte jedoch sofort eine Bestrafung der Täter.

    Heutzutage dürfen auf dem Zentralfriedhof in Kleinsteinach keine Juden mehr beerdigt werden, da dieser, als im 2.Weltkrieg zwei russische Soldaten dort begraben wurden, rituell verunreinigt wurde. Die Russen wurden später wieder exhumiert und auf dem christlichen Friedhof des Dorfes beigesetzt.

    Die Begräbnisstätte ist heute geschlossen und untersteht nun dem Landesverband der israelitischen Kultusgemeinden in Bayern. Dieser Landesverband stellte im Jahre 1960 Mittel für die Instandsetzung des Judenfriedhofes bereit. So wurden noch im gleichen Jahr die Grabsteine gerichtet und das Unkraut entfernt.

    Zudem signalisierte 1989 die Gemeinde Riedbach ihre Unterstützung (1000 DM) den Judenfriedhof mit Hilfe einer Diaserie, zu dokumentieren und diese danach für Jedermann zugänglich zu machen.


    Originaltext aus dem "Haßfurter Tagblatt" vom 21.08.1925


    Kleinsteinach. Einen würdigen Verlauf nahm die Enthüllung des auf dem israelitischen Friedhofs errichteten Denkmals für die im Weltkrieg 1914/18 gefallenen jüdischen Soldaten des Begräbnisbezirkes Kleinsteinach. Die Gemeinden betrachten es als ihre Ehrenpflicht, ihren für das deutsche Vaterland gefallenen 17 Söhnen einen Gedenkstein zu errichten. Die Vorstände Walter und Sacki von hier bemühten sich mit Erfolg um das Sammeln freiwilliger Beiträge und so konnte der Gedanke bald verwirklicht werden.

    Ein Gesangsvortrag von Herrn Lehrer Blumenthal ( Hofheim) bildete die Einleitung der Feier. Sodann ergriff Herr Rabbiner Dr. Cynski (Burgpreppach) das Wort, um in einer eindrucksvollen Rede der Gefallenen zu gedenken, den Zweck des Denkmals zu erläutern und die aus dem Kriege Heimgekehrten zu ermahnen, auch fernerhin für das Wohl des deutschen Vaterlandes zu wirken. Herr Lehrer Löw von hier hielt alsdann in einem ergreifenden Gesang die Seelengedächtnisfeier.

    Besonderer Dank gebührt dem zweiten Bürgermeister, Herrn Lehrer Bertisch, der im Namen der politischen Gemeinde eine erhebende Ansprache hielt, sowie dem Krieger- und Veteranenverein Kleinsteinach, Westheim und Schonungen, die durch ihre Beteiligung zum würdigen Verlauf der Feier beitrugen. Nicht unerwähnt sei, dass Herr Adolf Sauerteig, Bildhauer von hier, dem die Ausführung des Denkmals übertragen wurde, seine Aufgabe zur vollsten Zufriedenheit gelöst hat.


    Abschließend eine kleine Anmerkung:

    Augenzeugen, deren Erinnerungen über 60 bis 70 Jahren zurückreichen sollen, werden manch eindruckvolles Erlebnis subjektiv überbewerten, jedoch andere Ereignisse, die sich erst im nachhinein als richtungsweisend und schwerwiegend herausstellen, im Vergleich dazu eher unterbelichtet bleiben.

    Aber dennoch hat man in Kleinsteinach in all den Jahren nicht vergessen und verschwiegen, dass das Dorf immer von seiner jüdischen Bevölkerung profitiert hat und ist bis heute bemüht, zu erinnern statt zu vergessen.

    Jüngstes Beispiel zeigt, dass man sich immer wieder an jüdische Bürger unseres Landkreises erinnert. So haben im Frühjahr 2002 Schülerinnen und Schüler der 11. Klasse des Haßfurter Regiomontanus-Gymnasiums eine Gedenk- bzw. Klagemauer aus Ziegelsteinen errichtet und alle jüdischen Namen aufgemalt, die im Jahr 1933 vertrieben, deportiert und ermordet wurden. Auf dieser Klagemauer befinden sich unter anderem auch 10 jüdische Bürger aus Kleinsteinach, die Sie der Bilderschau entnehmen können.




    Beiträge von:

  • Abitur-Facharbeit von Bastian Brandt, Sennfeld
  • Cordula Kappner, BIZ-Leiterin, Hassfurt
  • Thomas Schindler, Historiker, Hassfurt
  • Hugo Brünner, Altbürgermeister von Kleinsteinach
  • Alfons Stephan, ehem. 2. Bürgermeister von Kleinsteinach
  • Helga Stephan geb. Brünner, Kleinsteinach
  • Presseberichte aus der Region
  • Dokumente über den Nationalsozialismus


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