Das Museum ›Jüdische Lebenswege‹ zeigt in einer Dauerausstellung zur Geschichte der Juden in Kleinsteinach. Eine ausführliche Internetseite zum Museum finden Sie unter museum-kleinsteinach.de

Jüdische Lebenswege – Museum Kleinsteinach
Am Kirchplatz 3
97519 Kleinsteinach
Telefon 09526 – 774

Öffnungszeiten
Jeden Sonntag von 13 bis 17 Uhr
Donnerstag von 10 bis 12 Uhr
und nach Vereinbarung 


Zur Geschichte des Judenfriedhofs

Zur Geschichte des jüdischen Friedhofes in Kleinsteinach, der zugleich Zentralfriedhof für den Haßfurter Bezirk war:

Der Judenfriedhof in Kleinsteinach ist mit 12.224 qm der größte seiner Art im Landkreis Haßberge und der zweitgrößte in Unterfranken. Er besteht aus einem alten und einem neuen Teil. Dieser umfasst ca. 710 Grabsteine, insgesamt beläuft sich die Zahl jedoch auf 1004. Mit ziemlicher Sicherheit gibt es auf der Begräbnisstätte noch weitere Gräber, deren Steine aber den zahlreichen Schändungen Ende des 19. und des 20. Jahrhunderts zum Opfer fielen.

Laut der Überlieferung wurde er angeblich im Jahre 1453 angelegt. Da erst mehr als 100 Jahre später, also 1596 das erste Begräbnis vermeldet wurde, ist davon auszugehen, dass die Zeitangabe „1453“ doch nicht ganz stimmen kann. Der erste Tote war ein berühmter Thoragelehrter. Gleichzeitig wurde der Friedhof zur zentralen Begräbnisstätte von Haßfurt für die Orte Aidhausen, Haßfurt, Hofheim, Kleinsteinach, Lendershausen, Westheim, Wonfurt, Zeil und sogar Schonungen ernannt. 1772 legte man für den Friedhof ein Grabverzeichnis an, in das bereits zwei Jahre später der erste Tote eingetragen wurde.  Dieses Verzeichnis verschwand jedoch während der Zeit des Nazi-Regimes.

Der letzte, dessen Begräbnis man anhand eines Grabsteines nachweisen kann, ist Daniel Mahler, der im Januar 1942 verstarb. Die letzte hier begrabene Tote jedoch war wahrscheinlich die in Haßfurt 86-jährig verstorbene Rosa Lonnerstätter (Todestag: 29.03.1942).

Die Begräbnisstätte ist heute geschlossen und untersteht nun dem Landesverband der israelitischen Kultusgemeinden in Bayern. Dieser Landesverband stellte im Jahre 1960 Mittel für die Instandsetzung des Judenfriedhofes bereit.

Zudem signalisierte 1989 die Gemeinde Riedbach ihre Unterstützung für die Aufbereitung der Geschichte des Judenfriedhofs und dafür, diese Dokumentation für Jedermann zugänglich zu machen.

Am ehemaligen Eingang des Friedhofes befindet sich das Taharah-Haus, welches nach einer Renovierung, die im Laufe des Jahres 2014 durchgeführt wird, künftig auch für Ausstellungszwecke genutzt werden soll.


Geschichte jüdischer Bürger

Historischer Rückblick über das Leben der jüdischen Bürger in Kleinsteinach, über die einstige Synagoge und über den noch bestehenden Judenfriedhof


Fassung: Bernd Brünner, Kleinsteinach

In der heutigen, schnelllebigen Zeit reißt die lebendige, bewusste Verbindung zur Vergangenheit relativ schnell ab und gerät leider immer öfter in völlige Vergessenheit.

Deshalb soll diese ausführliche Dokumentation vor dem Vergessen bewahren.
Inmitten der hügeligen Hassgaulandschaft, eingebettet in das schöne Tal des Riedbaches und am Zufluss des Hainbachs, findet sich im Westen des Landkreises Hassberge, das geschichtsträchtige Kleinsteinach. Hier existierte bis 1942 eine jüdische Gemeinde, sie unterstand dem Bezirksrabbinat Burgpreppach. In ihrem Besitz waren eine Synagoge, ein Ritualbad (Mikwe), eine Schule mit Lehrerwohnhaus und ein Friedhof. Nach den Verwüstungen unter den nationalsozialistischen Machthabern im „Dritten Reich“ existieren nur noch die Schule, die jedoch heute von den evangelischen Mitbürgern als Gebets- und Gemeindehaus genutzt wird, und der große Judenfriedhof abseits am Flurweg in Richtung Kreuzthal.

Informationen zu den Bildern: 

Die Synagoge in Kleinsteinach wurde bereits 1736 erbaut und in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts durch Blitzschlag zerstört. Im Vorbau befand sich rechts der Eingang für die Männer, links der für die Frauen (s.a. Skizze d. Grundrisses). Auf der rechten Vorderseite ist das Holzhäuschen für den Leichenwagen zu erkennen, der auch von der christlichen Bevölkerung mitbenutzt wurde. Die restlichen Bilder lassen die Rückseite und das Innere der Synagoge erkennen.

Die Juden in Kleinsteinach

Geschichtliche Daten

Erste Urkunden über die Existenz von Juden in Unterfranken datieren aus dem Jahre 1110, als ein Rabbiner namens Joel ben Rabbi Isak Halevi, sein Amt in Würzburg aufnahm. Verfolgungen jüdischer Gemeinden 1392 im Landkreis Hassberge lassen auf das Bestehen erster Kultusgemeinden in den Orten rund um Hassfurt schließen. Die Errichtung des Judenfriedhofes in Kleinsteinach angeblich im Jahr 1453 mag ein Indiz für eine bestehende jüdische Gemeinde sein, was jedoch mangels weiterer Belege nicht zweifelsfrei nachweisbar ist.

Erst sehr viel später und zwar im Jahr 1596 gibt es Aufzeichnungen, wonach in dieser Zeit das erste Begräbnis eines Juden auf dem Friedhof vermeldet und dieser zur zentralen Begräbnisstätte der Israeliten des Hassfurter Bezirkes ernannt wurde.

Ab dem 16. Jahrhundert wurden mit Hilfe von Ausweisungserlassen Juden, vor allem aus Reichsstädten und Fürstentümern, vertrieben. So entstanden, wie auch in den umliegenden Orten Hassfurts durch die Vertreibung von 1562, sogenannte Dorfjudenschaften. Durch das Zahlen von Schutzgeldern an Bischöfe, Klöster oder an den Adel erlaubte man den Juden den Aufenthalt in den einzelnen Dörfern. Schutzgelder waren zumeist Geldzahlungen, aber auch Nahrungsmittel, wie z. B. Zucker, mussten abgetreten werden.

Folglich wurde auch in Kleinsteinach nach einer „Zusammenstellung der jüdischen Einwohnerschaft an die königliche Regierung von Bayern“ berichtet, dass erstmals am 02.05.1699 das Bestehen einer Kultusgemeinde zweifelsfrei nachgewiesen ist. Zu dieser Zeit lebten 43 Juden im Dorf. Auf Initiative des Rabbiners Jechiel Heitzfelds errichtete man für die immer größer werdende jüdische Gemeinde im Jahr 1736 eine Synagoge, was durch einen Eintrag im „Kleinsteinacher Memorbuch“ belegt ist. Die entsprechenden Gelder wurden von Abraham und Jakob Hassfurt als Spende erbracht.

1772 legte man für den Judenfriedhof ein Grabverzeichnis an und zwei Jahre später wurde die erste Bestattung eingetragen.

Um die Jahrhundertwende führte man erneut Zählungen zur Feststellung des Judenanteiles in den Orten durch. Mittlerweile bewohnten 159 Juden das Dorf, das entsprach einem Einwohneranteil von 41%.

Das Judenedikt, das 1813 für die Israeliten Bayerns erlassen wurde und 1816 mit der bayerischen Gesetzgebung in Unterfranken in Kraft trat, enthielt eine Vielzahl neuer Rechte, aber auch Pflichten für die Juden. So wurde ihnen der Erhalt ihrer Gewissensfreiheit bestätigt. Zudem durften sie ab sofort Grundbesitz erwerben und sich in verschieden Handelszweigen betätigen. Eine Voraussetzung für die Juden war es jedoch beispielsweise Familiennamen anzunehmen. Ein weiterer Teil des Judenedikts war die Judenmatrikel, in der die numerische Aufführung der Schutzjuden eines Dorfes festgelegt war.

Jeder Jude, der zu dieser Zeit das Dorf bewohnte, erhielt eine Matrikelnummer, welche lediglich auf den ältesten Sohn der Familie übertragen werden konnte. Als Folge wurde eine Konzentration der Israeliten in der Stadt verhindert und der Erhalt der jüdischen Bevölkerung auf dem Land gesichert. Auswanderungen ins Ausland, z. B. in die USA, konnten allerdings nicht vermieden werden.

Ein Jahr darauf, am 31.08.1814, lebten, trotz dieser neuen Erlasse, bereits 162 Juden in 41 Familien in Kleinsteinach.

Die im Jahre 1819 in Würzburg ausgelösten Hep-Hep-Pogrome weiteten sich in auf ganz Deutschland aus, solche Unruhen waren in Kleinsteinach jedoch nicht feststellbar. In der darauffolgenden Zeit, vor allem ab 1850, bekamen die Israeliten Bayerns weitere Rechte. So durften seit dem 04.08.1853 namentlich genannte Viehhändler jedes Ortes Viehhandel, und Händler, denen es durch Patente erlaubt war, das Hausieren betreiben. Zudem gewährte man den Juden durch die Aufhebung des Matrikelzwanges 1861 das Abwandern in die Städte. Sie konnten sich ab sofort frei bewegen und ihren Wohnsitz frei wählen.

Diese neuen Rechte sind voraussichtlich auch der Grund, warum 1867, bei der letzten Zählung vor der Reichsgründung 1871, nur noch 128 Juden Kleinsteinach bewohnten.


Entwicklung im Kaiserreich und der Weimarer Republik

Lebten 1871 noch 128 jüdische Einwohner in Kleinsteinach, so zeigte sich auch dort die Abwanderungswelle in die Städte, da nur ein knappes Jahrzehnt später (1880) nur noch 110 jüdische Bürger das Dorf bewohnten. Der Rückgang der israelitischen Einwohnerzahl dauerte insgesamt bis zum Beginn des 3. Reiches an.

Erste Anzeichen für einen steigenden Antisemitismus im Landkreis gab es schon 1894, als Grabsteine auf dem Zentralfriedhof Kleinsteinach umgestürzt und geschändet wurden. Möglicher Auslöser war die Erscheinung der dritten Auflage einer „antisemitischen Schmähschrift“ die alle Anschuldigungen des vorangegangenen Jahrhunderts enthielt.

Um 1900 machte sich im Bezug auf die jüdische Einwohnerzahl noch mal ein Aufwärtstrend bemerkbar. Es waren zu dieser Zeit 129 Juden in Kleinsteinach ansässig. Diese Zahlen decken sich jedoch nicht mit der allgemeinen Entwicklung in Bayern, wo eine stetige Landflucht in die Städte anhielt.

Ende des 19. Jahrhunderts errichteten die jüdischen Bürger als Dank für die Aufhebung der zwangsweisen Ansiedlung am Dorfrand das sogenannte „Marterle“. Wenige Jahre später (1903) sanierte man zudem die 1736 errichtete Synagoge.

Als dann 1914 der 1.Weltkrieg ausbrach, erklärte Wilhelm II., er kenne nur noch Deutsche. Obwohl Juden auch schon im Jahre 1813, 1866 und 1870/71 Kriegsteilnehmer waren, so kämpften auch diesmal Juden aus dem Landkreis Hassberge an der Front. Sechs jüdische Soldaten aus Kleinsteinach waren an diesem Krieg beteiligt. Dies waren: Gutmann Adolf, geb. 30.07.1878; Neumann Max, geb. 04.12.1894; Neumann Moritz, geb. 21.02.1889; Neumann Moritz, geb. 31.01.1892; Sacki Gustav, geb. 27.01.1888 und Sacki Moses, geb. 15.01.1893. Leider musste Max Neumann am 23.02.1916 sein Leben lassen. Nach dem verlorenen Weltkrieg steigerte sich die antisemitische Stimmung, da die Niederlage dem internationalen Judentum angelastet wurde.

Solche Entwicklungen machten sich in den Folgejahren auch im Raum Hofheim/ Hassfurt bemerkbar, wo bereits am 05.05.1923 Propagandavorträge das Umschwenken weiterer Bevölkerungsgruppen hin zum Hass gegen die Juden bewirkten. Davon war jedoch in Kleinsteinach nichts spürbar. Es kann auch dadurch belegt werden, da beispielsweise in einer Aufstellung des 1. FC Kleinsteinach von 1923 der Jude Herman Mahler noch immer zur Mannschaft gehörte. Solche Dokumente zeigen wohl, dass die Israeliten Kleinsteinachs stets in der Dorfgemeinschaft integriert waren. 1925 wurde für die jüdischen Gefallenen des Raumes Hassfurts auf der zentralen Begräbnisstätte ein Kriegerdenkmal errichtet.

In den folgenden Jahren passierte nichts Außergewöhnliches im Dorf. Das Zusammenleben von Christen und Juden wurde von allen befragten Zeitzeugen, als freundschaftlich bezeichnet. Am 18.08.1930 wurde die letzte jüdische Eheschließung vollzogen und am 22.08. des darauffolgenden Jahres das letzte Kind eines Israeliten in Kleinsteinach geboren.

Dieses wurde 1942 zusammen mit seinen Eltern und seiner Schwester in Belzec/ Polen ermordet. Näheres wird über das Kind jedoch nicht berichtet. Alles in allem wurde in Kleinsteinach in diesem Zeitraum nichts von rassistischen Bewegungen erkennbar. Die Juden lebten mit den anderen Bürgern in einem normalen, meist auch freundschaftlichen Verhältnis. Die jüdischen Bürger des Ortes waren überwiegend Handels- und Kaufleute. Sie hatten folgende Geschäfte:

  • Textilgeschäfte mit Schuhwaren
  • 2 Viehhändler
  • 2 Rindsmetzgereien
  • l Pferdehändler
  • l Herrenschneiderei
  • l Matzenbäckerei
  • l Fellhändler
  • l Schuhgeschäft
  • l Kolonialwarengeschäft
  • l Immobilienhändler.

Nicht zu Unrecht wurde aufgrund dieser großen Anzahl von Geschäften Kleinsteinach zu dieser Zeit auch als „Klein-Paris“ bezeichnet.


Ende des Judentums in Kleinsteinach während der NS-Zeit

Geschichtliche Daten

Als Adolf Hitler am 30.01.1933 zum Reichskanzler ernannt wurde, lebten nur noch 34 Juden in Kleinsteinach. Es wird erzählt, dass die Juden, die eine Vorahnung von dem hatten, was noch geschehen sollte, und genügend Kapital besaßen, schon vor 1933 nach Übersee, meist nach Argentinien und Amerika, aber auch nach England, flohen.

Am 01.04. des gleichen Jahres fand wie in ganz Deutschland, so auch im Landkreis Hassberge der sogenannte „Judenboykott“ statt, bei dem, unter Bewachung von SA-Patrouillen, kein Deutscher bei einem Juden einkaufen durfte. Zudem wurden jüdische Geschäfte beschädigt und die Inhaber verhaftet. Kleinsteinach blieb von diesem Boykott jedoch weitestgehend verschont.

Die Erziehung zum Antisemitismus zeigte sich schon sehr früh im Dritten Reich. So zerstörte unter anderem eine Schulklasse aus Römershofen unter Leitung ihres Lehrers im Frühjahr 1934 mehrere Grabsteine auf der israelitischen Begräbnisstätte Kleinsteinachs. Dieser Zeitraum (1933 – 35) wurde meist durch „einzelne Maßnahmen auf der Grundlage der durch Notverordnungen und Ermächtigungsgesetz gewonnenen Scheinlegalität“ geprägt.

Der darauffolgende Zeitabschnitt wurde erheblich von den Nürnberger Gesetzen, die am 15.09.1935 in Kraft traten, beeinflusst. Durch diesen Erlass wurde erstmals eine Trennung von Juden und Deutschen vorgenommen, die jedoch völlig willkürlich war. So sagte beispielsweise auch Hermann Göring : „Wer Jude ist, bestimme ich!“ Im Einzelnen wurde im Reichsbürgergesetz die Unterteilung von Menschen mit deutschem und artverwandtem Blut und Juden vorgenommen. Die Gesetze wurden zum „Schutz des deutschen Blutes und der deutschen Ehre“ erlassen. Bis zum Kriegsbeginn wurden so mehr als 250 antijüdische Maßnahmen verkündet.

Die weiteren Jahre mussten die Juden nicht ständig um ihr Leben fürchten, was sich jedoch mit der Reichspogromnacht am 09./10. November 1938 schlagartig änderte und in eine massive Bedrohung der Israeliten umschlug. Von oberster Stelle wurde in dieser Nacht die Zerstörung jüdischer Gebetshäuser angeordnet. Soviel sei jedoch auch gesagt, dass es bei der Zerstörung keine Kleinsteinacher Beteiligten gab. Die Einwohner verschanzten sich zumeist in ihren Häusern.

Ein Beleg dafür, dass es weiterhin ein gutes christlich – jüdisches Verhältnis im Dorf gab, zeigt die Begebenheit, dass die Schreinerei Brünner, trotz Androhungen von NS- Funktionären, die zerstörten Fenster von israelitischen Häusern reparierte und sich damit den Zorn einiger Nazis zuzog. Später wurden ihr selbst die Fensterscheiben eingeschlagen.

Abgeschreckt von den immer drastischer werdenden Ereignissen flohen weitere jüdiasche Bürger ins Ausland, so dass 1939 nur noch 13 Juden das Dorf bewohnten.

 

Am 04. Juli 1939 wurde die „Reichsvereinigung der Juden in Deutschland“ gebildet. Somit war der Sonderstatus des jüdischen Volksteiles vollkommen.

Am Vorabend des zweiten Weltkrieges erklärte zudem Adolf Hitler, dass „der kommende Krieg nicht die Vernichtung Deutschlands, wohl aber die Vernichtung des Judentums in Europa“ bringen würde.

Am 21.04.1940 wurde der letzte jüdische Todesfall im Dorf verzeichnet. Im Oktober ’41 wurde den Juden die Auswanderung aus Deutschland verboten. Des Weiteren untersagte man von oberster Stelle per Verordnung alle freundschaftlichen Beziehungen von Ariern zu Juden. Laut den Zeitzeugenaussagen wurde das christlich – jüdische Verhältnis in Kleinsteinach davon allerdings nicht beeinflusst.

Im selben Jahr wie das Auswanderungsverbot, wurde es auch zur Pflicht für die jüdischen Bürger, den „Judenstern“ zur Erkennung jedes Einzelnen zu tragen.

Als letzter Jude mit Grabstein wurde im Januar 1942 Daniel Mahler begraben. Die letzte Bestattung jedoch fand am 29.03.1942 für die 86-jährig verstorbene Rosa Lonnerstätter statt. Nur wenige Tage später erhielten die letzten vier verbliebenden Israeliten Kleinsteinachs ihre Aufforderung zur Deportation. Sie sollten sich am 22. April zwischen 14.00 und 16.00 Uhr an der Sammelstelle „Platzscher Garten“ in Würzburg einfinden.

Sie wurden anschließend nach Izbica/ Lublin deportiert. Keiner von ihnen überlebte! Als letztes Anzeichen jüdischer Vergangenheit innerhalb des Ortes wurde 1945 die Synagoge von der Gemeinde Kleinsteinach, die sie 1939 von der Kultusgemeinde Kleinsteinach „erworben“ hatte, an die evangelische Kirche verkauft und ein paar Jahre später aufgrund eines Blitzschlages daraufhin abgerissen. Mit dem Ende des Dritten Reiches erlosch in Kleinsteinach das letzte jüdische Leben.

Das Bild zeigt das letzte von Juden bewohnte Haus in Kleinsteinach. Hier lebte die Familie Neumann.


In dem Zusammenhang ergänzend noch zwei kleine Statistiken.

Im Jahre 1933 lebten noch folgende 34 Juden in Kleinsteinach:

  • Familie Justin Neumann, Haus-Nr. 12, mit zwei Personen
  • Familie Walter Meier, Haus-Nr. 13, mit drei Personen
  • Familie Gutmann,Haus-Nr. 15, mit zwei Personen
  • Familie Sali Lichtenstätter, Haus-Nr. 18, mit drei Personen
  • Frau Hofmann, Haus-Nr. 19, eine Person
  • Familie Artur Neumann, Haus-Nr. 22, mit zwei Personen
  • Herr Sacki, Haus-Nr. 22, eine Person
  • Familie Emanuel Grünbaum, Haus-Nr. 25, mit drei Personen
  • Familie Wolfermann, Haus-Nr. 30/31, mit drei Personen
  • Familie Bernhard Mahler, Haus-Nr. 30, mit vier Personen
  • Familie Moritz Neumann, Haus-Nr. 45, mit fünf Personen
  • Familie Seligmann Grünbaum, Haus-Nr. 45, mit zwei Personen
  • Familie Abraham Schloß, Haus-Nr. 41, mit zwei Personen
  • Frau Klara Sichel, Haus-Nr. 47, eine Person

Die Opfer des Nationalsozialismus:

  • Grünbaum Emanuel, geb. 01.10.1874
  • Grünbaum Lina, geb. 07.09.1874
  • Grünbaum Sophie, geb. 22.12.1871
  • Grünbaum Isidor, geb. 13.10.1904
  • Neumann Moritz, geb. 23.01.1892
  • Neumann Meta, geb. 16.06.1896
  • Neumann Irmgard, geb. 18.03.1924
  • Neumann Erich, geb. 22.08.1931
  • Schloss Klara, geb. 08.09.1872

 

Die folgende Beiträge können Sie als PDF herunterladen, sie stammen von:

·  Abitur-Facharbeit von Bastian Brandt, Sennfeld

·  Cordula Kappner, BIZ-Leiterin, Hassfurt

·  Thomas Schindler, Historiker, Hassfurt

·  Hugo Brünner, Altbürgermeister von Kleinsteinach

·  Alfons Stephan, ehem. 2. Bürgermeister von Kleinsteinach

·  Helga Stephan geb. Brünner, Kleinsteinach

·  Presseberichte aus der Region

·  Dokumente über den Nationalsozialismus

 

Hier findet man durch Anklicken der jeweiligen Themen zusätzliche Informationen:

Die Synagoge

Der Judenfriedhof

Zur Geschichte des Friedhofes

Die israelitische Begräbnisstätte in Kleinsteinach

Originaltext aus dem Haßfurter Tagblatt vom 21.8.1925


Abschließend eine kleine Anmerkung:

Augenzeugen, deren Erinnerungen über 60 bis 70 Jahren zurückreichen sollen, werden manch eindruckvolles Erlebnis subjektiv überbewerten, jedoch andere Ereignisse, die sich erst im nachhinein als richtungsweisend und schwerwiegend herausstellen, im Vergleich dazu eher unterbelichtet bleiben.

Aber dennoch hat man in Kleinsteinach in all den Jahren nicht vergessen und verschwiegen, dass das Dorf immer von seiner jüdischen Bevölkerung profitiert hat und ist bis heute bemüht, zu erinnern statt zu vergessen.

Eines von vielen Beispielen zeigt, dass man sich immer wieder an jüdische Bürger unseres Landkreises erinnert. So haben im Frühjahr 2002 Schülerinnen und Schüler der 11. Klasse des Haßfurter Regiomontanus-Gymnasiums eine Gedenk- bzw. Klagemauer aus Ziegelsteinen errichtet und alle jüdischen Namen aufgemalt, die im Jahr 1933 vertrieben, deportiert und ermordet wurden. Auf dieser Klagemauer befinden sich unter anderem auch 10 jüdische Bürger aus Kleinsteinach, die Sie der Bilderschau entnehmen können.

Vor allem aber zeigt das jüngste Beispiel, dass man die jüdische Vergangenheit von Kleinsteinach mit viel Engagement aufarbeiten will. Eigens dafür entsteht zur Zeit ein Dokumentationszentrum im ehemaligen Lehrerwohnhaus. Dieses neu renovierte und denkmalgeschützte Fachwerkhaus anno 1731 befindet sich in unmittelbarer Nähe der St. Bartholomäus-Kirche von Kleinsteinach.